Allerlei

Gestern in der Stadt

Ich war gestern in der Stadt,
wo es wieder Menschen hat.
Traf Neureichs und Frau Gernegroß,
die echauffiert, weil Ohnemoos
am Trottoir sich schlafen legte.
Ein Maulheld sich lautstark erregte,
in der großen Einkaufsstraße.
Und jeder Snob trug hoch die Nase.
An allen Ecken hört’ ich Schwätzer.
Sah, angespornt von einem Hetzer,
zwei Streithammel sich heftig raufen.
Auch sind mir über’n Weg gelaufen:
vier Duckmäuser, drei Drückeberger,
ein Störenfried, er machte Ärger.
Jung Heißsporn ging grad in die Luft.
Empört ein Schreihals schrie: „Du Schuft!“
Der Tagedieb ließ Zeit verstreichen.
Herr Leisetreter tat ausweichen
dem Schluckspecht, der zur Kneipe wankte,
entlang der schmalen Gehwegkante.
Am Eck, da stand Herr Weichebirne.
Laut lästerten zwei Spatzenhirne.
Ein Erbsenzähler zählte eifrig.
Der Wichtigtuer tat recht fleißig.
Und in den engen Seitengassen
spielte übermütig, ausgelassen
der Nachwuchs, all die Grünschnäbel;
Klein-Naseweis und Rotzlöffel.
Dann kam die Frau von Neunmalklug.
– Ihr Geschwätz man schwer ertrug –

Ich fuhr erschöpft zurück aufs Land.
Nun ratet mal wen ich dort fand?
Die Neureichs und Frau Gernegroße,
am Straßenrand den Ohnemoos
Wichtigtuer, Tagediebe,
ein Heißsporn, der bezog grad Hiebe.
Traf Maulhelden und manchen Schwätzer,
den Schreihals und auch üble Hetzer.
Sah Duckmäuser und Drückeberger,
den Störenfried, er machte Ärger.
Traf Schluckspechte, die lallend wankten
und Streithammel, die lautstark zankten.
Hört’ Erbsenzähler, Erbsen zählen.
Frau Neunmalklug tat sie grad quälen,
– mit ihrer Besserwisserei –
Der Leisetreter schlich vorbei.
Am Rathaus stand Herr Weichebirne
und wartete auf Spatzenhirne,
beäugt von Naseweisen, Grünschnäbeln
und rotzig frechen Rotzlöffeln.

Ich zieh für mich das Resümee
– damit tu ich auch keinem weh –
ob Stadt, ob Land wo du auch bist,
der Mensch bleibt stets, das was er ist.

2020/ Mai

Warum eigentlich nicht?

Zuerst nur ganz leise
 sprach eine Stimme in mir,
auf seltsame Weise
und vertraut von „Wir“.

„Wir?“, wollt ich wissen
und war irritiert.
Dacht’ es sei mein Gewissen,
das mich da geniert.

„Nein!“, hört ich’s reden.
„Das bin ich nicht!
Ich bin das Leben,
das heut’ zu dir spricht.

Willst du’s nicht wagen
DU selber zu sein?“
Ich zögert’ zu fragen,
wie das sei gemeint?

Da sagte das Leben:
„Find’ heraus wer du bist!“
Und ich dachte bei mir:
„Warum eigentlich nicht?“ 


29.04.2020

Manchmal

Manchmal wünscht’ ich, ich wär’ eine,
die ich in Wirklichkeit nicht bin.
Denn, auch wenn ich stark erscheine   
ist angstvoll Zittern in mir drin.

Manchmal wünscht’ ich, ich würd’s wagen
– jenen kühnen neuen Start –
und nicht nach den and’ren fragen.
Halt leben ganz auf meine Art.

Manchmal wünscht’ ich, ich könnt’s richten,
was mir so schief geraten ist.
Versuch’s mit Worten zu verdichten,
doch gerade wird es nicht.

Manchmal wünscht’ ich, ich würd’ sagen,
frank und  frei was ich so denk.
Doch Erziehung packt am Kragen.
Verdammt! Der ist mir längst zu eng.

2020/April


Oktober

Für dich, da trägt die Welt
ihr allerschönstes Kleid.
Leuchtend – golden – gelb
und luftig weit.

Und schmückt sich mit Girlanden
aus Weinbeerblätterranken,
belaubt in üppig tiefem Rot.

Und ein sanfter Wind weht
über Mauern, Hecken Zäune.
Fährt ins Geäst der Bäume
und nimmt mit sich das welke Laub.

Und der Himmel ruht so blau
über Feld und Flur.
Und mancher Acker trägt die Spur
der Arbeit von Pflugscharen.

–  Wir reifen mit den Jahren –

Und der Wald, er riecht nach Pilz und Moos.

2018/Oktober


Interruptio

Kein Kindessarg in schwarzer Erde.
Kein Name eingraviert in Stein.
Dein Leben, das man dir verwehrte,
wird nicht erwähnt. Du warst zu klein.

Totenstille herrscht und Leere
dort wo dein Platz wär in der Welt.
Und nur manchmal eine Träne
ungeweint ins Dunkel fällt.

Doch in der Ewigkeit hallt wieder,
dein stummer Schrei vom Zeitenraum.
Es blüht für dich ein schwarzer Flieder
in Trauer, er dein Lebensbaum.

2018/Mai



Aschermittwoch

Als meine Träume  in Flammen aufgingen,
die sie gierig verzehrten,
stand ich hilflos daneben.
Und, als auch der letzte Traum Feuer fing,
legte sich, von mir unbemerkt,
seine Asche auf meine Seele.
Duster wurde mein Welt.
Dunkel und schwer.
Und doch ist es diese Asche,
die meine Seele wärmt,
und am Leben hält.

2018/Februar



Sahara-Sandkorn

Geboren aus Stein,
vor Millionen von Jahren.

Wurdest geschliffen, gerieben
vom  Zahn der Zeit.
Und von Winden getrieben
sahst du alles erdenkliche menschliche Leid.

Jetzt ruhst du ermattet von langer Reise,
eine kleine Weile bei mir.
Erzählst auf deine ruhig rieselnde Weise
von Sternen und Mond und dem wellenden Meer.

2018/Januar


Lauf, Mädchen, lauf!

Lauf, Mädchen, lauf!

… wenn Männer-Blicke sinken
auf Brüste, Schenkel, Mieder
… wenn lüstern sie dir winken,
die geilen, derben Brüder.

Schrei, Mädchen, schrei!

… wenn Männerhände streichen,
was weiblich, wohlgeformt,
und deinen Körper greifen.
… Wenn Widerstand anspornt.

Sprich, Mädchen, sprich!

… wenn  widerliche Dreiste,
die Trieb gesteuert sind,
Denn, teuflisch sie im Geiste –
sich nehmen was noch Kind.

Klag, Mädchen, klag

an die „braven“ Bürger!
Die leugnen: „Nichts geseh’n.“
Diese Selbstbetrüger.

Tanz, Mädchen, tanz!

Koste aus, das Leben!
Nie wieder soll ein Mensch
sich über dich erheben.

2017/November


Mutter …

Bist du der Mensch, der mich getragen
Neun Monate in seinem Leib?
So sei dir Dank und alle Ehre,
Bis ans Ende aller Zeit.

Bist du der Mensch, der mich ernährte,
An seiner Brust, in seinem Arm –
Geduldig mich das Sprechen lehrte
An dessen Herz mir wurde warm?

Bist du der Mensch, des  Hand mich führte
Bis ganz allein ich laufen konnt’ –
Mit gutem Wort mein Herz berührte
Mich liebevoll als Mensch geformt?

Bist du der Mensch, der mich geborgen,
Behutsam voller Stolz und Lieb –
Der ernst nahm meine Kindersorgen
Und tröstend meine Wange rieb?

Bist du der Mensch, der mich belehrte
In Pubertät und Flegeljahr –
Und wenn ich wütend aufbegehrte
Geduldig und besonnen war?

Bist du der Mensch, der mich gerüstet
Fürs Leben und die meine Zeit?
So sei dir Dank und alle Ehre
Bis in alle Ewigkeit.


Narrentreiben

Ich dachte mir, ich könnte schreiben
vom Fasching und dem Narrentreiben.
Damit es nicht nur frei erfunden
war ich zuerst die Sach’ erkunden –
gekleidet als die weiße Frau,
beim Faschingsball – Alaaf, Helau.
Da stand ein Cowboy, der weinselig
milde lächelnd, leider dämlich,
und mit den Augen tief versunken
in das, was Mieder hoch gebunden.
Die Maid, mit diesem Dekolleté,
gekleidet war als Zauberfee.
Ich sah ’ne  Geisha Fächer fächeln.
Neben ihr, den Herren hecheln,
als Tanzmariechen hob das Bein.
Ein andrer hielt sich fest am Wein.
Ein Büttenredner machte Verse
zu Politik und Kontroverse …
An dieser Stelle muss ich passen.
Ich bog mich immer noch vor Lachen
über seinen letzten Witz.
Die neben mir, die fiel vom Sitz.
Der Abend ging mit Tanzen weiter.
Lustig war’s, ja wirklich heiter.
Dann legt’ ich eine Pause ein.
Ging in die Bar. Trank Gin, trankt Wein.
Am Tresen hing, steh’n konnt’ er nicht
ein Narr, geschminkt als Bösewicht.
Sein schwarzer Mafiosihut,
hat mir gefall’n, der stand ihm gut.
Beim Kehraus lag er dann zertreten
am Boden neben ehrenwertem
Stadtrat, Namen nenn ich nicht!
Ich sag nur so viel: der war dicht.
Jetzt hab ich alles aufgeschrieben,
Wie bunt’s die Narren wieder trieben.
Ich hatte Spaß an meinen Reimen
den wünsch ich jetzt den Groß und Kleinen.
Und nächste Woche, ganz bestimmt,
hier wieder ein paar Verse sind.

2017/Februar